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HG-Leiter-Fortbildungswochenende des Bayerischen Cochlear Implant Verbandes e.V. (BayCIV) vom 5. bis 7. März 2010 in Würzburg
Am Freitagabend trafen fünfzehn Teilnehmer verschiedener Selbsthilfegruppen aus Bayern in Würzburg ein. Nach einem wunderbaren gemeinsamen Abendessen im Seminarhaus ‘Kloster Himmelspforten’ begrüßten uns Franz Hermann, 1. Vorsitzender, und Christl Vidal, stellvertretende Vorsitzende des BayCIVs. Dabei konnten wir uns ausführlich kennenlernen und manche SHG-Probleme erfahren. Gekrönt wurde das Ganze mit einem sehr geselligen Beisammensein in der hauseigenen Taverna. Am nächsten Morgen ging es für einige tapfere Frühaufsteher schon um 7.30 Uhr (!) weiter, denn wer wollte, konnte an einer von C. Vidal an beiden Tagen angebotenen Meditationsrunde teilnehmen.
Nach dem Frühstück begann das Seminar ‘Führen und Leiten von Gruppen’ mit Referentin Dagmar Brüggen aus Nürnberg. Wie wir während des Seminars eindeutig erfahren durften: eine sehr engagierte und einfühlsame Psychologin. Es war für D. Brüggen sicher nicht einfach, uns Teilnehmern diese große Fülle von Infos zu vermitteln und uns gleichzeitig so anzustoßen, dass wir selber aktiv über verschiedene Lösungskonzepte nachdachten. Sie hat es tatsächlich geschafft mit ausgetüftelten Methoden: einer malerischen Vorstellungsrunde, Aufweckspielen, Gruppenarbeiten, Schreibaktionen, Diskussionen im großen wie kleinen Kreis, aktiven Spielen usw. Und natürlich immer wieder – als Bonbon zwischendurch – mit einem kleinen zusammenfassenden Referat. Hier nur einige der vielen Fragen, denen wir zusammen auf den Grund gingen: Leitung, was heißt das für mich? Motivation passiver SHG-Mitglieder? Welche Aufgaben will/kann ich abgeben? Vorteile/Nachteile einer alleinigen Leitung? Vorteile/Nachteile einer Leitung im Team? Wie stehe ich in der Gruppe selbst? Wie stehen die Gruppenmitglieder zu mir? Und viele interessante Fragen noch dazu...
Am Ende hatte jeder Teilnehmer seine Aha-Erlebnisse und/oder Erkenntnisse, wie: Teamgeist ist zeitintensiv, lohnt sich aber! Gruppenarbeit ohne Konflikte gibt es nicht! Unbehagen in der Gruppe muss angesprochen werden! Leitungspersonen sind immer auch selbst Betroffene! Drei bis vier SHG-Treffen im Jahr sind zu wenig! Zum Delegieren muss man bereit sein! Nur EINER spricht! Spaßfaktor ist wichtig! Das ‘Blitzlicht’ wird eingeführt, d.h. jedes SHG-Mitglied sagt in höchstens drei Sätzen wie es ihm im Moment geht usw.
Ein Seminarteilnehmer meinte ganz treffend zum Abschluss: „Es war sehr, sehr kurzweilig.“ Ein herzliches Dankeschön für diesen tollen Seminartag mit einer Fülle von positiven Eindrücken.
Mit Leib und Seele hat Referentin Yvonne Weber-Kaltenbrunn, leiborientierte Musiktherapeutin für CI-Träger aus Freiburg, uns klargemacht, dass Musikhören keinesfalls nur auditiv geschieht. Und es muss auch keiner singen und Musik verstehen können (Noten lesen, Terze, Oktaven hören usw.). Y. Weber-Kaltenbrunn erklärte und erzählte uns, dass Erleben und Fühlen von Klängen und Tönen auch Musik ist, denn Musik besteht eben aus einzelnen Klängen und Tönen. Und das Ganze bitte ohne ‘bitteren Ernst’, ohne Angst und mit einem wichtigen Hinweis, dass es hier kein ‘falsch’ oder ‘richtig’ gibt, sondern dass einfach spielerisch ein ganzheitliches Klang-Erleben erfahrbar gemacht wird. Nach einigen Entspannungsübungen zur körperlichen Lockerung und witzigen Klatschspielen zur rhythmischen Sensibilisierung, stellte Y. Weber-Kaltenbrunn uns die verschiedenen Klang- und Percussion-Instrumente vor: Daumenklavier, viele Klangschalen, Windspiel, Harfe, Regenmacher, viele Klangstäbe und Trommel. Wir suchten unsere Instrumente aus und konnten dann fröhlich, erwartungsvoll, teilweise vorsichtig, unsere eigenen Klänge und Töne erforschen, erlauschen, spüren, fühlen und erleben. Das schreibt sich hier so trocken, doch z.B. die tiefgehende Schwingung einer Klangschale zu spüren ist wirklich enorm. Irgendwann erzählten wir uns rein instrumental Geschichten bzw. wir alle waren nonverbal mit unseren Instrumenten im Gespräch und Dirigentin Y. Weber-Kaltenbrunn konnte unsere vielen Gespräche zu EINEM harmonischen Gespräch zusammenführen. Hätten wir da doch noch mehr Zeit gehabt – es erfordert ja Übung, sich hier reinfallen zu lassen –, was wäre da noch rausgekommen!? Mit Sicherheit Bewegung, vielleicht ein gemeinsamer Tanz. Auf jeden Fall war für uns klar, es sensibilisiert tatsächlich das Hören von Tönen und Klängen. Und einige CI-Träger bzw. Schwerhörige werden sich wieder vermehrt dem Musikhören zuwenden.
Abschließend kann ich zu den beiden sehr inspirierenden Seminartagen wirklich sagen: Es hat sich gelohnt. Und auch deshalb, weil wir Teilnehmer uns dabei recht gut und mit viel Spaß kennengelernt haben.
Für die wunderbare Organisation des Seminarwochenendes ein ganz großes Dankeschön an den BayCIV und an Christl Vidal.
Stefan Theilacker