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Erfahrungsbericht Tinnitus

Mit chronischem Tinnitus leben

Die 4 Phasen beim Tinnitus werden von jedem Betroffenen durchlebt.
Am Anfang wehrt man sich sehr dagegen, statt besser wird es immer schlimmer. Ich wurde sehr depressiv, gereizt und hatte Angstzustände und konnte schlecht einschlafen, bzw. durchschlafen.

Ich versuchte Informationen über den Tinnitus zu sammeln und es wurde mir klar, dass ich keine Angstzustände haben brauche, da der Tinnitus keine Krankheit ist, somit auch keine Bedrohung für mich war.
Ich habe sehr viele psychische Bücher gelesen, habe angefangen zu meditieren. Mein Tinnitus war am Anfang sehr laut und aggressiv.
Dann las ich von der Klinik Roseneck am Chiemsee und es dauerte 1 Jahr, bis die mich aufnahmen.

Dort war ich 8 Wochen lang, die nicht ganz einfach für mich waren.
Die ersten zwei Wochen war ich dort  Außenseiter, da die anderen Patienten alle Tinnitus hatten, aber nicht so schlecht hörten wie ich. Sie konnten das einfach nicht nachvollziehen, das smein Ohr durch die 5 Hörstütze so schlecht hört und sich nicht wieder regeneriert hatte.
So viel zum Thema Verhalten der Menschen! Aber schließlich kamen sie doch darauf, das ich nicht simuliere. Traurig nicht?!!!

Die ersten Tage sollte ich erstmal nur zur Ruhe kommen, dann bekam ich einen Stundenplan mit Einzeltherapie, Gruppentherapie und Muskel-An- und Entspannungsübungen sowie Biofeedback.

Das erste Ziel war die Akzeptanz meines Tinnitus. Wir mussten alle einen Brief an unserem Tinnitus schreiben und auch einen, wie wohl der Tinnitus uns antworten würde. Dann wurde das innerhalb der Gruppe besprochen. So kam heraus, dass wir keine Angst haben brauchten, dass er keine Krankheit ist, sondern jemand, der uns warnt.
Eine Warnung, wenn wir z.B. zu viel Stress haben und er als Regler funktioniert (soll heißen: ruhiger werden, versuchen Stress abzubauen).

Ich musste versuchen die Balance im körperlichen und seelischen Bereich zu halten, d.h. Entspannungsübungen und Meditation gehörten zum täglichen Ritual.

Diese 8 Wochen in der Klinik waren für mich ein großer Schritt aus meiner Depression und ich versuche auch jetzt noch, immer ositiv zu denken.

Ich konnte damals durch meinen Tinnitus keine Musik mehr genießen,
es war der reinste Horror (Musik kam verzerrt an mein Ohr).

Die Einzeltherapie setzte ich noch für 1,5 Jahre fort. Dabei kam sehr viel von
meiner Kindheit hoch (wobei mein schlechtes Hören die größte Rolle spielte).

Die Gruppentherapie war auch sehr gut, weil alle das gleiche Problem hatten und nun versuchten, dieses gemeinsam zu bewältigen.

Ich habe meine innere Unruhe durch Gelassenheit ausgetauscht. Jeder kann es schaffen, aber jeder muss an sich selbst arbeiten.
Der Therapeut gibt nur Gedankenanstöße, umsetzten musste ich sie selbst.

Der Klinikaufenthalt hat sich für mich gelohnt, trotz Tinnitus bin ich heute ein zufriedener und positiver Mensch geworden.
Ich hadere nicht mehr mit meinem Leben, sondern versuche das Beste daraus zu machen. Ich gehe wieder auf die Leute zu, was ich auch dem CI verdanke. Es hat meine Lebensqualität erhöht und ich hoffe, dass es noch lange so bleibt.

Ich habe keine Einschlafprobleme mehr und kann gut durchschlafen.
Sicher, ich höre meinen Tinnitus als Erstes, wenn ich aufwache. Aber das ist normal nd. Gewöhnungssache.

Zusammenfassung zur Bewältigung des Tinnitus:
  1. Akzeptanz (mein Tinnitus ist keine Krankheit, sondern ein Regler)
  2. Informationen über den Tinnitus suchen
  3. Zuversicht und positives Denken (ich schaffe es..!!) -  sehr wichtig !!!
  4. Selbstbewusst wieder unter die Leute gehen
  5. Ablenkung suchen: Hobbys wieder aufnehmen, Sport treiben, Freunde besuchen oder Gleichgesinnte treffen, sprich den Tinnitus aus dem Alltag verdrängen.

Ich hoffe für alle Betroffenen, dass mein Bericht zum Handeln anregt,
es kann nur besser werden, körperlich, wie auch seelisch.

Ich wünsche für den „steinigen Weg“ alles Gute und wie gesagt:
            Ihr schafft es, wenn Ihr wollt....

Herzlichst Kerstin H.