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HeidelbergerVersorgungskonzept: Musiktherapie für Tinnituspatienten mit CI

09.06.2011 16:16 von Regine Zille

Jedes Jahr werden etwa 200 Menschen pro Million Einwohner einseitig gehörlos. In Deutschland gibt es somit ca. 16.000 Neuerkrankungen jährlich.
Die einseitige Gehörlosigkeit schränkt die Lebensqualität der Betroffenen mehr ein, als bisher angenommen. Vor allem, wenn zusätzlich dauerhafte Ohrgeräusche („Tinnitus“) auftreten. Dies ist bei ca. 80% der Betroffenen der Fall.
Eine Behandlungsmöglichkeit stellen Hörschnecken-Prothesen, sogenannte Cochlea-Implantate (CI) dar. Ein Cochlea-Implant ist eine elektronische Innenohrprothese, die Menschen mit Schädigungen des Innenohres ein neues Hören ermöglicht. Das CI übernimmt die ausgefallenen Funktionen des Innenohres. Es leitet elektrische Reize direkt an den Hörnerv und überbrückt somit die Störung bzw. die Unterbrechung der Weiterleitung.


Bei etwa zwei Dritteln der Patienten beeinflusst ein CI einen Tinnitus positiv. Allerdings verringern sich die Ohrgeräusche nur, solange das CI eingeschaltet bleibt.


Am Deutschen Zentrum für Musiktherapieforschung (Viktor Dulger Institut) DZM e.V., Heidelberg, konnte in den letzten Jahren in Zusammenarbeit mit der HNO-Klinik der Universität Heidelberg und der Uni-Klinik für funktionelle Neuroradiologie in Homburg/Saar ein wirksames neuromusiktherapeutisches Behandlungskonzept für Patienten mit chronischem Tinnitus entwickelt und wissenschaftlich überprüft werden.
Bei den bisher ca. 800 Tinnitusbetroffenen, die mit Musiktherapie behandelt wurden, erreichten rund 80% eine zuverlässige Verbesserung bis Auflösung der Symptomatik.
Eine Langzeitstudie über den Zeitraum von fünf Jahren nach Therapieende belegt, dass diese Ergebnisse sehr stabil sind.
Darüber hinaus konnte nachgewiesen werden, dass chronischer Tinnitus zu über 90% nicht im Ohr, sondern im Gehirn entsteht. Ursache scheint eine „fehlgesteuerte Filterfunktion“ der Hörbahn aber vor allem auch im limbischen System und in Aufmerksamkeitsarealen zu sein. Diese Veränderungen können durch die Musiktherapie nachweislich rückgängig gemacht werden.


Basierend auf diesen Erkenntnissen und therapeutischen Erfolgen wurde nun das Therapieangebot für Tinnituspatienten mit einseitiger CI-Versorgung erweitert. Die neuromusiktherapeutische Behandlung findet als ambulante sog. Kompakttherapie statt und umfasst fünf Behandlungstage.


Ob eine Therapie möglich ist, wird in einer Aufnahmeuntersuchung überprüft.
Folgende Kriterien müssen für die Teilnahme an einer Musiktherapie erfüllt sein:
· Sie sind einseitig ertaubt und auf dem tauben Ohr mit einem Cochlea-Implantat (CI) versorgt (die Erstanpassung des CI muss abgeschlossen sein)
· Sie leiden unter einem chronischen Tinnitus (Krankheitsdauer mind. 6 Monate)
· Sie sind älter als 18 Jahre
· Sie befinden sich derzeit wegen des Tinnitus nicht in psychotherapeutischer, psychiatrischer oder neurologischer Behandlung.


Weiterhin besteht auch am DZM in Heidelberg die Möglichkeit zu Therapie für normal Hörende mit chronischem Tinnitus im Rahmen der Regelversorgung.

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