- Informationen
- Veranstaltungen
- Aktuelles
- Selbsthilfe
- Cochlea Implantat
- BayCIV aktiv
- Fundgrube
- Wir über uns
Jede(r) unter den 6 Schwerhörigen, der im Sommer 2006 zunächst im Wohnzimmer von Margit Gamberoni eintraf, war bereits ein langjähriger Einzelkämpfer. Mit vielen ungelösten Fragen im Bezug auf die eigene Hörbehinderung, erschöpft durch den täglich zermürbenden Einsatz eines hörgeschädigten Menschen im Beruf, belastet durch die Erfahrung, sich mit den Problemen der Schwerhörigkeit bis jetzt allein herumgeschlagen zu haben fassten wir einander an der Hand und gründeten die Selbsthilfegruppe OhrRing.
Bei unseren regelmäßigen Gruppentreffs (jeden 2. Mittwoch im Monat im Klemens Fink Zentrum) suchen wir gemeinsam nach Lösungsstrategien, um die psychische Belastung von uns Hörbehinderten in einer lautsprachlich kommunizierenden Gesellschaft aufzufangen und zu mindern. Wir geben einander Informationen über technische, rechtliche und medizinische Möglichkeiten und Neuerungen weiter. In unserer Region möchten wir eine Lobby für Hörgeschädigte sein, welche auf die hierzulande bis jetzt nur wenig beachteten Bedürfnisse von lautsprachlich orientierten Schwerhörigen hinweist.
Die Behindertenbeauftragte der Stadt Bamberg wurde unsere wichtigste Verbündete und auch der Oberbürgermeister lernte unsere Bedürfnisse kennen. Unsere Gruppe erhielt ein Jahr nach ihrer Gründung von der Stadt eine Funk-Mikrofon-Anlage mit 20 Empfängern. Auf unsere Anregung hin wurden zahlreiche öffentliche Gebäude und Einrichtungen in Bamberg, darunter das Theater, die Konzerthalle, der Vortragssaal der Volkshochschule und ein Kino mit einer induktiven Höranlage versehen. Vom Landesverband Bayern der Schwerhörigen und Ertaubten erhielt die Stadt Bamberg 2010 die Auszeichnung „Goldene Ringschleife“, unserer Gruppe hingegen wurde von der Deutschen Cochlea Implantat Gesellschaft in diesem Zusammenhang der Titel „Initiative des Jahres 2010“ verliehen.
Unsere Gruppe hat gegenwärtig rund 30 Mitglieder im Alter von 28-86 Jahren. Bei den monatlichen Treffs begegnen wir einander mit Respekt und einfühlsamer Hilfsbereitschaft. Jede(r) darf und soll die aktuellen Probleme in Verbindung mit der Hörbehinderung einbringen und die Gruppe um Stellungnahme bitten. Fast bei jedem Treff kommen neue Interessenten hinzu. Sie erfuhren durch Zeitungsberichte oder durch Freunde von uns oder wurden durch die enge Zusammenarbeit mit der HNO-Klinik Erlangen von dort aus an uns verwiesen. Die von den Neuankömmlingen häufig gestellte Frage nach der Versorgung mit einem Cochlea Implantat wird von den Gruppenmitgliedern kompetent beantwortet. Viele Betroffene benötigen bei ihrer Entscheidungsfindung Zuspruch und Ermunterung von Betroffenen und staunen, nachdem sie zufriedene CI-Träger persönlich kennen gelernt haben.
Obwohl die Gruppe ständig wächst, ist in unserem Kreis die freundliche und sehr persönliche Atmosphäre erhalten geblieben. Vorschläge und Aktivitäten unserer Gruppenmitglieder bereichern die Gemeinschaft: So bietet eine Physiotherapeutin unter uns Entspannungsabende an, ein Lehrer einen LBG (Lautsprachenbegleitendes Gebärden)Kurs, eine Doktorandin berichtete von ihrem Forschungsschwerpunkt Mittelhochdeutsch und ein Hobbytaubenzüchter klärte uns über die Geheimnisse der Brieftauben auf. Bei allen Veranstaltungen wird die Funk-Mikrofon-Anlage eingesetzt, die uns selbstverständlich auch bei Führungen und Ausflügen begleitet. Auch in den für Mitglieder unserer Selbsthilfegruppe organisierten PC-Kursen war das Funkmikrofon ein unerlässliches Hilfsmittel.
Unsere Selbsthilfegruppe ist Mitglied im Bayerischen Cochlea Implantat Verband, im Landesverband Bayern der Schwerhörigen und Ertaubten und in der Deutschen Hörbehinderten Selbsthilfe. Auf lokaler Ebene arbeiten wir in der Bamberger Arbeitsgemeinschaft der Menschen mit Behinderung und im Behindertenbeirat mit. Aktuell bewegen uns Fragen der Inklusion von hörbehinderten Menschen, die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention und die Neugestaltung der Hörgeschädigtenberatung in Bayern. Auch für die Belange schwerhöriger Senioren möchten wir uns künftig vermehrt einsetzen.
„OhrRing“ bedeutet für uns: Eine für alle – alle für eine. Die Hörbehinderung soll uns nicht hindern, ein erfülltes Leben zu führen. Mit moderner Technik im und am Ohr, mit zusätzlicher Unterstützung von technischen Hilfsmitteln sind wir Hörgeschädigte nicht mehr isoliert, sondern haben gute Chancen, unseren Platz inmitten der Gesellschaft zu finden.
Margit Gamberoni, Bamberg