indukTiv hoeren

indukTiv Hören

Anwesende des Gesprächs waren neben Frau Brigitte Meyer, Ausschussvorsitzende für Soziales, Familie und Arbeit, ihre Mitarbeiterin Frau Sonja Hofmann, Herr Michael Geisberger, Pastoralreferent der Hörgeschädigtenseelsorge Augsburg, Frau Christl Vidal, stellvertretende Vorsitzende des Bayerischen Cochlear Implant Verbandes und Gundi Kurzmann-Schiller, 2. Vorsitzende LV Bayern der Schwerhörigen.

Laut UN-Behindertenrechtskonvention sollen Neubauten oder Renovierungen von öffentlichen Einrichtungen barrierefrei gestaltet werden. Dies ist auch von der Bayerischen Landesregierung befürwortet worden.
Frage: Werden somit die Forderungen nach „indukTiven Höranlagen“ in das Bayerische Gleichstellungsgesetz für behinderte Menschen aufgenommen, wie es der Bay. Landtag in seinem Beschluss vom 12.12. 2001 Drucksache 14/8286 vorgeschlagen hat?
Frau Meyer hat uns schon vorweg darauf hinweisen können, dass an einer Sensibilisierung bei Planungen sowohl für Schwerhörigen als auch bei anderen Behinderungsarten  noch hart gearbeitet werden müsse.

Unserer Meinung nach sollten Gelder von den jeweiligen Ausschüssen nur bewilligt werden, wenn diese Bauplanungen auch die Barrierefreiheit gewährleisten. Nur werden bei der Barrierefreiheit oft die Schwerhörigen vergessen.

Frage: Könnte der Einbau von Induktionsanlagen nicht grundlegende Bedingung sein, um Gelder für barrierefreie Baumaßnahmen zu gewähren?

Das würde einen erheblichen Aufwand bedeuten, äußerte Frau Meyer. Denn nicht alles wird vom Landeshaushalt finanziert und so könnte die ins Gesetz geschriebene Verpflichtungen und deren Umsetzung auch nicht zu kontrollieren sein.

Nicht unbedeutend ist doch auch der Einfluss von Architekten. Wären diese besser informiert, so könnten präventive Baumaßnahmen, die oft relativ einfach umzusetzen wären, von Anfang an mit berücksichtigt werden, z.B. in den Gemeindesälen der Rathäuser. So auch die Ausstattung von vielen Senioreneinrichtungen. Selbst im Hinblick auf den Generationswandel wird nicht darauf geachtet, dass selbst heute schon jeder zweite ab 70 nicht mehr normal hören kann. Lebenslanges Lernen ist der Slogan gegen vorzeitiges Altern. Doch sind die VHS für Schwerhörige meist nicht zur weiteren Fortbildung geeignet. Sie fühlen sich von den meisten Programmen der VHS ausgeschlossen, besonders bei den Sprachen.

Beim Bay. Landtag selbst ist der Plenarsaal mit IndukTiver Anlage versorgt. Mehrere Räume sollten noch IndukTive Anlagen erhalten. So haben wir darauf hingewiesen dass dies als Vorbild der Öffentlichkeit doch publik gemacht werden kann.

Viel wichtiger erscheint es Frau Meyer daher, dass man unnachgiebig diese Thematik in die Öffentlichkeit bringt und dafür wirbt, dass in öffentlichen und staatlichen Neu- oder Umbauten diese IndukTive Anlagen eingebaut werden. Dies wäre auch besonders im Hochschulbereich wünschenswert.

Auch bei der Ausbildung von jungen Menschen wäre eine Sensibilisierung für die Ursachen von Schwerhörigkeit sinnvoll. Denn hier ist z.B. bereits jeder 3. Jugendliche betroffen. ?????

Frage: Sehen Sie hier Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen?
Die Handlungsfähigkeiten hierzu sieht Frau Meyer begrenzt. Es gibt zu wenig Lehrer und die Ausbildung würde teurer werden, also auch ein Kostenfaktor. Somit wird es bei den Förderschulen bleiben.

Vom Bay. Staatsministerium für Arbeit und Soziales wurden von Fördergeldern DVDs für die Öffentlichkeit erstellt. Z.B. “Ein Klick mehr Partnerschaft – Gelungene Kommunikation… damit die Liebe bleibt“. Da diese jedoch nicht mit Untertitel versehen sind, bringen diese den Schwerhörigen keinen Nutzen.

Frage: Wie lässt sich das in Zukunft verhindern?
Dieser Hinweis wurde vermerkt. Es wurde aber erwähnt, dass die Untertitelung wohl auch ein Kostenfaktor sei. Doch möchte Frau Meyer sich für die UT einsetzen, trotz der kommenden Haushaltsdebatte im Landtag.

Bei Planungen für Projekte im Bau und alles was die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention an Barrierefreiheit fordert, sollten unbedingt auch die Verbände der Schwerhörigen und Ertaubten/ CI-Träger mit einbezogen werden.

Hierzu empfiehlt uns Frau Meyer, dass wir auf alle Parteien zugehen sollten, welche im Sozialausschuss seien.

Im laufenden Gespräch konnten wir bei Frau Meyer sehr viel Interesse wecken, indem wir von unseren Hörerlebnissen berichteten. Dabei haben wir vor allem unsere Standpunkte erwähnt wie die

  • Sensibilisierung von Kindern und Jugendlichen und alten Menschen
  • Berücksichtigung von baulichen Maßnahmen für Schwerhörige bereits bei der Planung
  • Sensibilisierung von Architekten und Bauingenieuren
  • Induktionsanlagen dürfen nicht als Ausnahme, sondern müssen als dringende Notwendigkeit im alltäglichen Leben von Hörbehinderten betrachtet werden
  • Gespräche mit den Landesbehindertenbeauftragten in den Regierungsbezirken
  • Schwerhörige benötigen andere Hilfsmittel als Gehörlose z.B. lnduktionsanlagen und Schriftdolmetscher – also eine Gebärdendolmetscher.
  • Anhörung der Hörgeschädigtenverbände bei Planungen von Vorgaben, Beschlüssen ect.
  • Begriff „kommunikative Hilfsmittel“ soll zur besseren Verständlichkeit in „IndukTive Anlagen“ umbenannt werden (in den Verordnungen zur Barrierefreiheit im  BayBGG) – Einbau dieser Anlagen z.B. in öffentlichen Gebäuden muß vorgeschrieben werden
  • Im Interesse der Hörgeschädigten werden wir auch zukünftig mit den Politikern im Gespräch bleiben

Wir von den Schwerhörigenverbänden haben sehr viel damit zu tun, den Betroffenen nicht nur die Technik des besseren Hörens vertraut zu machen. Es ist Schwerstarbeit, schwerhörigen Menschen das Selbstvertrauen beizubringen, zu ihrer Schwerhörigkeit zu stehen. Doch lässt sich vieles besser ertragen, wenn der Umgang mit schwerhörigen Menschen schon in der Öffentlichkeit etwas mehr als selbstverständlich werden könnte. Schwerhörige Menschen sind eigentlich ganz normale Menschen, welche nur Hilfe bei der Kommunikation brauchen.

Gersthofen den 18. September 2010
Gundi Kurzmann-Schiller und Christl Vidal

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