Musik-Seminar im Bildungshaus

von René Zille

St. Martin Bernried
, Kloster der Missions-Benediktinerinnen vom 19. - 21. Juli 2019

Unter der Leitung von Yvonne Schmieder (Musiktherapeutin DMtG / Dipl.-Sportlehrerin) konnten sich 12 Teilnehmer*innen einem Workshop für CI- und HG-Träger in einer kleinen Gruppe mit begrenzter, kompakter Zeitdauer intensiv dem Thema „Entdeckungsreise in die Welt der Klänge“ hingeben.

Mit der Begrüßungsrunde, in der sich jeder vorstellte, konnte bereits am Freitagabend der Grundstein für ein entspanntes Miteinander geschaffen werden.

So unterschiedlich die Hörbiografie eines jeden TN ist, so einheitlich ist der Wunsch nach Musikerleben. Dass die Ansprüche, gerade bei Spätertaubten hoch sind, dafür hatte Yvonne guten Rat und einige theoretische Grundlagen zu vermitteln. Alles was wir wahrnehmen unterliegt der Bewertung! Wird ein neuer Ton, Klang, Geräusch negativ bewertet, dann speichern wir diesen als unangenehm, fremd ab. Wir können uns nur schwer darauf einlassen diesen anzunehmen, um ihn wieder zu erlernen. Die Stimme ist unser ganz persönliches Instrument und sollte viel mehr Beachtung finden, was sich später noch zeigte.

Wir beendeten den Abend mit einer rhythmischen Koordinationsübung, die uns dann neben weiteren Übungen durch das ganze Wochenende begleitete. Fiel uns das noch am Freitag schwer, hatte unser Gehirn am Sonntag durch Lernen, Spaß und Freude keine Schwierigkeiten mehr, im Takt der Abfolge zu bleiben.

Der Samstag stand uns nun ab 09:00 Uhr mit Yvonne und ihrem mitreißendem Engagement zur Verfügung. Der Kreativität waren keine Grenzen gesetzt und wir erfuhren, welche Instrumente uns auffordern wollen ihnen Klänge zu entlocken, um in ein Miteinander der Wahrnehmung zu gelangen.

Dazu durfte sich jeder intuitiv aus dem reichhaltigen Angebot der rhythmischen Instrumente eines auswählen und wir versuchten uns mit den Resonanzen zu verbinden. Yvonne lenkte das Klangbild und schon bald gelang es uns, in ein Zusammenspiel durch Wahrnehmung zu kommen. Konzentriert, präsent und gemeinschaftlich wirkte das Miteinander auf Körper, Geist und Seele.

Und immer wieder lockerten Körperübungen, Spiele, Klatsch- und Bewegungseinheiten den Fortgang auf. Wer noch immer glaubte, das Musikseminar spielt theoretisches Musikwissen vor, der war spätestens jetzt eines Besseren belehrt.

Mit jeder Stunde, die verging, wurden wir lockerer, fanden Zugang und Zutrauen in uns. Die Stimmen wurden fester, die Instrumente wurden leiser und gefühlvoller angestimmt und mit dieser Stimmung beendeten wir einen wunderbaren Tag.

Schon kam der Sonntag und mit ihm die Gewissheit, dass wir uns bald verabschieden müssen. Doch erst einmal stand uns noch der ganze Vormittag zur Verfügung und das wollten wir nutzen um zu sehen, zu hören, zu spüren, zu wirken und zu lachen. Letzteres bekam viel Raum durch Gesine Finck, Dipl.-Sprechwissenschaftlerin und Logopädin, die sich unserer Gruppe angeschlossen hatte.

Sie interessierte sich sehr für das Thema Musiktherapie und demonstrierte mit uns Stimmübungen, die sie durch ihre Arbeit am UKH-Hallesches Hör- und ImplantCentrum kannte.

Was sie dazu anwendete wurde erst zaghaft und dann immer mutiger nachgeahmt und alles Lippenflattern, imaginäres Päckchen packen, Seifenblasen, Fragen und Antworten ohne Worte nur mit Stimme, hatte uns dann heiter und locker gemacht. Danke Gesine für Deinen Beitrag!

Weiter ging es mit unserem Lied „Epo i tai tai jeh“, das wir jetzt in mehreren Facetten darbieten konnten und wieder eine Runde „Rhythmik Instrumental“, feinfühlig geleitet von Yvonne und dem „Stein Spiel“, der konzentriert im Kreis gereicht, von Hand zu Hand spazieren sollte (was dem Stein nicht immer gelang). Zum Abschied öffnete Yvonne ihr Schatzkästchen und teilte an jeden ein Bild mit Text aus, welches wir als Wegbegleiter oder Denkanstoß mitnehmen durften.

Resümee: Musik hören soll Spaß und Freude bereiten und dazu nicht mehr als 10 Minuten am Tag üben. Das Gehirn braucht die wiederholte Stimulation um die neue Form der Schallwellenübertragung durch das CI mit dem schon Gelernten und Abgespeicherten abgleichen zu können. Ein bekanntes Lieblingslied mit wenigen Instrumenten jeden Tag 2 x anhören, das sensibilisiert das Musikverständnis.

Zum Schluss kommt der Dank und von diesem reichlich, denn wir hatten allen Grund dankbar zu sein. Was hatten wir für ein Glück mit dem Wetter, der klösterlichen Unterkunft (wo wir uns alle erstmal räumlich orientieren mussten), der idyllischen Lage am Starnberger See mit eigenem Badestrand, der wunderbaren Yvonne Schmieder und unseren Organisationstalenten Christl Vidal und Margit Fischer.

Michaela Peterhoff

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