SHG-Leiter-Fortbildung

von Regine Zille

Kommunikationstechniken für Gruppenleiter

Vorstellung einmal anders
Vorstellung einmal anders

19 SelbsthilfegruppenleiterInnen aus Bayern und Sachsen trafen sich zur Fortbildung im Caritas-Pirckheimer-Haus in Nürnberg.

Nach dem gemeinsamen Abendessen begrüßte die Vorsitzende des BayCIV Regine Zille, Herrn Gerlach und Frau Erseker (Patient-Relations Managerin- Ansprechpartnerin für SHG Gruppen) von der Firma Cochlear, die den neuen Soundprozessor Nucleus 6 vorstellten und den Gruppenleitern einige Tipps zum Umgang mit dem neuen System mit auf den Weg gaben.

Am Samstag gestaltete die Logopädin Frau Antje Geiger die obligatorische Vorstellungsrunde einmal anders. Jeder stellte nach einem Paargespräch seinen Nachbarn vor mit Namen, Funktion, Alter und Hörstatus, sowie dessen Erwartungen an dieses Seminar.

Nach so viel Zuhören schickte sie uns erst mal quer durch den Raum – gehen, den anderen achten, den anderen grüßen. Als Partnerübung – Spiegelung: Wie nimmt er mich wahr? Wie nehme ich ihn wahr?

Anschließend wurden die Erwartungen der Teilnehmer zusammengefasst:

  • besser auf andere eingehen können,
  • guter Umgang mit Störern und Vielsprechern,
  • Tipps zur Redeermutigung (schüchterne einbinden)
  • gezieltes moderieren (z.B. das würde ich gerne im Einzelgespräch mit dir klären)
  • Einsatz von Stimme
Kommunikationsmodell nach Schulz von Thun
Kommunikationsmodell nach Schulz von Thun

Aus der Gruppe kamen gleich spontane Problemlösungen: Bei der „Blitzlichtrunde“ – gleich vorgeben in „2-3 Sätzen Problem darlegen“. Ist die Runde zu groß (z.B. über 15 Teilnehmer), Kompetenzen abgeben. Bei Vielsprechern evtl. Redezeit vorgeben. Dann „Stopp“

Anje Geiger erläuterte uns dann das Kommunikationsmodell nach Schulz von Thun

Bei der Kommunikation gibt es immer einen Sender, der Informationen und Emotionen weitergibt. Er schickt eine Nachricht an den Empfänger. Ist die Botschaft nur ein Sachverhalt oder steckt auch eine emotionale Beziehung dahinter? Fasst der Empfänger die Nachricht als Apell auf? Auf welcher Ebene wird gesendet und empfangen?

Was ist ein schlechter Zuhörer:

Redet dazwischen, fällt ins Wort, redet immer lauter, und schneller, er lässt den Redefluss (Thema abweichend) versiegen, er wendet den Blick ab, spricht verletzend, wird aggressiv

Lockerungsübungen
Lockerungsübungen

Mit Lockerungsübungen begannen wir auch die Nachmittagsstunden. Wir spazierten wieder durch den Raum, beachteten unsere Haltung, Atmung, Stimmübung “ brbr, baba, Hallo Kontakt“, auch Mimik und Gestik der „Passanten“. Wir erfuhren wie durch Atemtechnik, Bewegung und den Wohlklang die innere Mitte gefunden werden konnte und wie befreiend solche Entspannungsübungen wirken.

Anschließend reflektierten wir, dass man auf unterschiedliche Weise zuhören kann.

Aktives Zuhören: Dem Gegenüber Raum geben, nickend zustimmen,“ hm hm“, Augenkontakt halten, versuchen zu interpretieren, immer wieder kurzes Feedback

Passives Zuhören: nur aufgreifen, zustimmen, nicht erweitern Wie fühlt sich der Erzähler? Wird zugehört, wird falsch oder richtig interpretiert?

Rollenspiel: Erzähler – Zuhörer –Beobachter

3er Gruppen – Feedback in der Gruppe, wie fühlt sich der Sprecher, der Zuhörer? Wenn jemand immer das Gleiche erzählt – was macht das mit mir als Zuhörer? Was kann ich tun? Fragen: „das hast du uns schon erzählt, was möchtest du damit bezwecken- erreichen, wenn du uns das öfter erzählst?“ Oder: „ Ich hab das nun schon öfter gehört von dir – ich bin da jetzt hilflos – was möchtest du mit dieser Aussage genau erreichen?“

Der Abend war den SHG des BayCIV gewidmet. Zunächst dankte Regine im Namen des BayCIV allen 24 Ortsgruppen für deren Arbeit. Vier neue Gruppen stellten sich und ihre Arbeit vor.

  1. Gilchinger Ohrmuschel: Anna Krott (sie ist auch Schulbeauftragte beim VdK)und Martin Langscheid Gegründet im Frühjahr 2013. Zum Ziel hat sich die Gruppe gesetzt, die gute Inklusion Hörbehinderter in unserer Gesellschaft zu fördern. Dazu haben sie schon vielfältige Kontakte aufgebaut, die Vernetzung mit der Behindertenbeauftragten und dem Landratsamt funktioniert optimal. Mit der Wanderausstellung (von Anna erstellt): Hören-Sprache-und seine Gegensätze konnten sie bereits viele Menschen erreichen.
  2. Olav Dathe hat zusammen mit seiner Frau eine Gruppe für hörbehinderte Kinder gegründet in München. Bei einer ersten Zusammenkunft wurden zunächst Zeit und Ort und Zukunft für die künftige Arbeit festgelegt. Sie sondieren was gewünscht wird von den Eltern. Vor allem die Frage nach der geeigneten Schule für ihre Kinder steht derzeit im Vordergrund. Wie soll idealerweise die Frühförderung ablaufen? Wie gestaltet sich die Kinderbetreuung während der Treffen.
  3. Magdalena Schmid betreut zusammen mit ihrem Mann die CI- Gruppe im Klinikum rechts der Isar. Diese Gruppe gibt es schon seit 4 Jahren. Sie haben die Möglichkeit qualifizierte Ansprechpartner zu finden. Ärzte und Logopäden stellen sich immer wieder gerne für Fragen zur Verfügung.
  4. Brigitte Anger leitet die SH-CI-Chiemgau; Diese Gruppe wurde 2012 gegründet. Sie wollen Anlaufstelle sein zu allen Fragen rund um das CI. Sie treffen sich 4x jährlich um ein bestimmtes Thema näher zu erörtern. Dazu laden sie Fachpersonen ein die ihre Fragen beantworten.
Vier neue SHGs stellen sich vor
Vier neue SHGs stellen sich vor

Am Abend lud Regine uns zu einer Wunschrunde ein. Dabei wurde über den Behindertenausweis gesprochen. Welcher GdB (Grad der Behinderung) steht uns zu. Dafür gibt es eine GdB- Messer der nach 4 Tabellen den Wert ermitteln lässt. Aber meist spielen auch noch andere körperliche Gebrechen bei der Einstufung eine Rolle. Es gibt Info Vorträge dazu vom Integrationsamt. Auch das Merkzeichen GL – wer bekommt das, wem steht das zu, kam zur Sprache.

Umgang mit Schwerhörigkeit, Technik Seminar, Audiotherapie und Fragen des Behindertenrechts wurden als Themenwunsch für die nächsten Seminare geäußert. Die optimale Gestaltung der Gruppentreffen wäre auch mal interessant. Ein Referentenpool (Themen, Namen –Adressen) wäre ebenso wünschenswert.

Förderanträge: an Zentrum Familie und Soziales muss bereits am 1. Nov, für das kommende Jahr eingereicht werden. –SH-Gruppen brauchen dazu die Unterschriften der Mitglieder. Auch beim Runden Tisch der Krankenkassen kann man Förderanträge für die Gruppenarbeit stellen.

Wie stehe ich zur SH-Gruppe? Wie steht die Gruppe zu mir? –der Leiter soll mehr delegieren, nicht alles selber machen. Auch über die Bedeutung der Gebärdensprache wurde ausführlich diskutiert.

Frau Margit Gamberoni lädt uns nach Bamberg ein zur BayCIV-Informationsveranstaltung am 17. Mai 2014. Thema: „Sprache verstehen, Musik genießen – Freude am Hören mit CI und HG

Der Sonntag war der guten Gesprächskultur gewidmet. Antje begann den Tag mit uns wieder mit Lockerungsübungen. Zunächst im Stehen, Atem- und Stimmübungen. Gemeinsam hallte ein „O-A-O“ durch den Raum.

Begrüßungsrituale wie anlächeln, zunicken, Händeschütteln (warmer, fester Händedruck?), umarmen, wurden geübt.

Zur Vorbereitung auf die Rollenspiele wurden die Eigenschaften der verschiedenen Teilnehmer erörtert.

1. Der Moderator – Gruppenleiter:

Er sorgt dafür, dass ein Thema durchgehalte wird. Er lässt alle zu Wort kommen und achtet darauf, dass sich niemand verletzt fühlt. Er achtet auf die Würde und Befindlichkeit jedes Einzelnen. Er sondiert Themen aus (lässt sie zu) und entscheidet dann über was gesprochen wird.
Er hört genau zu und steuert, in dem er auch auf gute Gesprächskultur achtet. Evtl. hinterher das Einzelgespräch suchen mit einem Störer: „Warst du dir bewusst, wie du dich geäußert hast?“ Nicht vor allen Teilnehmern, sondern eher unauffällig solche Dinge klären.
Verletzende Äußerungen muss der Moderator sofort abbrechen: „Ich stelle klar…“ oder „Moment auf dieser Ebene sprechen wir hier nicht“

2. Der Störer

Redet dazwischen, er lässt andere nicht aussprechen, er weicht vom Thema ab, unterhält sich mit seinem Nachbarn, zeigt mit seiner Körperhaltung Desinteresse, er erzeugt Geräusche (Kuli auf und zu, trommelt mit den Fingern…), er pocht auf seiner Meinung, er beharrt auf einem bestimmten Thema, er zeigt wenig Akzeptanz für die Lebenssituation anderer (weist abwertend auf deren vermeintliche Fehler hin) er nimmt aktiv auf andere Einfluss (er bevormundet andere)

3. Der Vielsprecher

Fängt immer wieder von vorne an, spricht monoton und schwer verständlich, er hört nicht auf zu reden, kommt nicht auf den Punkt, hält einen Vortrag auf eine kurze Frage, er zeigt sich unsensibel den Anderen gegenüber, er hört nicht zu - kann es nicht, er quasselt um nicht zuhören zu müssen, er möchte damit überspielen, dass er zu wenig hört.

4. Der Schüchterne

Sagt nichts in der Gruppe, Körpersprache zeigt: der ist in sich gekehrt, er vermeidet Blickkontakt, seine Stimme ist sehr leise, er wartet in Lauerstellung, er fühlt sich in seiner Haut nicht wohl, er möchte nicht auffallen, (wirkt unsicher)

5. Der Ruhige

Er ist ein guter Beobachter und aufmerksamer Zuhörer, er will angesprochen werden, er wartet ab, wirkt zufrieden, er überlegt bevor er spricht.

Für eine reibungslose Kommunikation sollen wir „Ich Botschaften“ senden.
Z.B. anstelle von: Du räumst nie aufes stört mich, dass es hier so unaufgeräumt ist.
Du lässt mich nie zu Wort kommen (wirkt aggressiv)- besser: ich möchte auch was sagen

Die anschließenden Rollenspiele aus dem Stehgreif spiegelten all diese Eigenschaften köstlich wieder. Hierbei wurde viel gelacht. Wir stellten fest, da es gar nicht so einfach ist in die Rolle zu schlüpfen, welche man sonst nie im Leben einnehmen würde – da fühlt man sich nicht wohl.

Bei der Abschlussrunde wurde vor allem auch der Austausch untereinander als wichtig erachtet. Antje blieb stets gelassen und ging konkret auf unsere Fragen ein, die ideale Moderatorin! Besonders hat mir die abschließende Bemerkung gefallen:

Bei der Arbeit im Ehrenamt muss man sich nicht auslutschen lassen wie eine Weißwurst.

Auf das nächste Seminar dürft ihr euch schon jetzt freuen!

Rosa Braun
Leiterin Kontaktgruppe Cham und Umland
Stamsried

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