SHG-Leiter-Fortbildung zum Thema "Freude und Trauer in der Selbsthilfe"

von Peter Muschalek

Referentin des Seminars:

Frau Theresa Keidel

Frau Keidel ist Dipl.-Sozialpädagogin mit einer Zusatzausbildung zur Entspannungspädagogin und Coach

Sie ist tätig als Geschäftsführerin der SeKo Bayern

 

Am Freitag Abend war für die 13 TeilnehmerInnen des Seminars Anreise im Haus Klara in Würzburg. Das Haus liegt Tür an Tür mit dem Konventbau der Oberzeller Franziskanerinnen und der Kirche St. Michael in der wunderschönen, in liebevolle Gärten eingebetteten Anlage des Klosters Oberzell. Das Haus wird von den Schwestern mit großer Gastfreundschaft geführt und sorgte in allen Punkten sowie einem gelungenen Ambiente für einen großen Wohlfühlfaktor.

Nachdem jeder sein Zimmer gefunden hatte und wir uns zum ersten gemeinsamen Essen getroffen hatten, begann die von Margit Gamberoni mit Einfällen der besonderen Art inspirierte Kennenlernrunde der SHG-LeiterInnen. Einige von uns kannten sich bereits aus anderen Seminaren. Wir erfuhren Interessantes und Neues über die anderen TeilnehmerInnen, ihre Hörbehinderung, ihre hörtechnische Versorgung und ihre Heimat.

Am Samstag machten wir uns nach dem Frühstück unter professioneller Anleitung des Seminarteilnehmers Stefan Theilacker in der Morgensonne bei Frühsport fit für das beginnende Seminar mit Frau Keidel.

An der Tür lachte mich ein netter Satz an, nämlich: „Herzlich willkommen zum Seminar Trauer und Freude in der SH-Arbeit“. Wie schön!

Frau Keidel führte uns in die vorgesehenen Themen zu Freude und Trauer ein. Freude und Trauer kommen oft in der Gruppe vor. In den Selbsthilfegruppen gibt es traurige Momente, aber auch viel Freude. In der Gesellschaft steht mehr die Stärke des Menschen im Fokus. In der Gruppe darf man schwach sein und dies zeigen. Dadurch entsteht emotionale Wärme. Man schöpft große gemeinsame Kraft, man widmet sich einem gemeinsamen Thema und kann die Trauer in der Gemeinschaft leichter verarbeiten. Genauso freut man sich gemeinsam an den guten Dingen.

Zum Einstieg füllten wir jeder für sich allein einen Assoziationsstern zu den Themen Freude und Trauer mit unseren eigenen Einfällen.

Darauf aufbauend trugen wir unsere Hörbehinderung betreffende Themen zusammen, die mit Freude und Trauer zu tun haben.

Es folgte Frau Keidels Vortrag zum Thema, der uns Grundwissen zu Trauer, Abschied und Ritualen aber auch Freude, Humor und Lachen vermittelte, um in der Gruppe mit schwierigen Situationen von Verlust, aber auch anderen Gefühlen besser umgehen zu können. In einem anderen Block führte uns Frau Keidel in die kollegiale Kurzberatung ein. Unter ihrer Anleitung übten wir am Beispiel eines Problems aus einer SHG diese Form der Beratung.

In einem anderen Block führte uns Frau Keidel in die kollegiale Kurzberatung ein. Unter ihrer Anleitung übten wir am Beispiel eines Problems aus einer SHG diese Form der Beratung.

Im nächsten Segment des Seminars wurde in Gruppen zum Thema Trauer und Freude mit der Hörbehinderung gearbeitet mit einer anschließenden Auswertung in der gesamten Gruppe. Dieser praktische Teil mit einer Auflistung von traurigen und freudigen Emotionen und Ereignissen, die unsere Hörbehinderung betreffen, war sehr hilfreich für die Reflektion der eigenen Gefühle, stand aber auch stellvertretend für die Gefühle der Mitglieder in unseren Selbsthilfegruppen. Dadurch wurde in uns die Fähigkeit zur Einfühlsamkeit in andere Betroffene vertieft.

Am Vormittag und Nachmittag gab es natürlich auch eine Pause. Die Pausen haben ja ihre eigene Berechtigung nicht nur im Hinblick auf den Erholungswert. Vielmehr erlebe ich diese immer als intensiv und Vertiefung eines Seminars.

In der Mittagspause bot Frau Keidel eine Entspannungseinheit mit einer Phantasiereise und einer Massage mit Tennisbällen an. Die Teilnehmer empfanden beides als ausgesprochen wohltuend und entspannend. Am Abend lachte noch die Sonne und wir ließen uns von zwei Würzburger Teilnehmern durch die Stadt entlang des Main führen .

Der Sonntag begann wieder mit Frühsport und Ball und bereitete wirklich Freude.

In der sonntäglichen Seminareinstiegsrunde waren Texte zu den Themen Freude und Trauer ausgelegt zu denen wir wahlweise Aussagen machen durften. Ich empfand dies als sehr emotional und bereichernd.

Wir vertieften dann mit Frau Keidel an einem weiteren Fallbeispiel aus einer SHG-Gruppe die kollegiale Beratung und erlernten die Fähigkeit, wie wir mit einem schwierigen Fall umgehen können.

Lachübungen mit Lachyoga als Ausdruck von Freude und als mögliches Element der Selbsthilfearbeit dienten an diesem Tag als Auflockerungsteil des Seminars. Für mich war dies etwas ungewohnt, auch anstrengend. Und doch hat es mir viel Freude gemacht. Ich habe viel gelacht!

Die Schlussrunde führte Frau Keidel mit Lobkärtchen. Das Seminar wurde durchweg sehr gut bewertet. Frau Keidel hat sich sehr gut auf uns, unsere speziellen Themen zur Trauer über den Hörverlust und zur Einschränkung der zwischenmenschlichen Kommunikation eingelassen. Sie ist in einen guten Austausch mit uns gekommen und hat sich sehr empathisch mit großer Flexibilität auf unsere Themen eingestellt. Wir haben einen gut gefüllten Koffer mit Werkzeug für ein nicht ganz einfaches und alltägliches Thema, mit dem wir aber hin und wieder in der Gruppe konfrontiert werden, mitnehmen dürfen.

Das Seminar war vom BayCIV, vertreten durch Christl Vidal in allen Punkten sehr gut organisiert. Und es war von Anfang bis Ende mit einer guten FM-Anlage bestückt. Für mich ist es immer ein besonderes Sahnehäubchen, mit wenig Höranstrengung in einer Gruppe kommunizieren zu können. Herzlichen Dank an alle.

Das Seminar wurde von der BARMER GEK durch Fördergelder unterstützt.

Beate Kietzmann-Werner

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